3 Fragen an Ilma Rakusa
Literatur- und Pressebüro Politycki & Partner und die Europäischen Literaturtage fragen Teilnehmende drei Fragen zum Thema des Jahres.Wo bleibt das Licht ist Ihre persönliche Bestandsaufnahme von schlechten Nachrichten, düsteren Prognosen, aber auch kleinen Glückmomenten. Gibt es zwischen Erschütterung und Glück einen Zusammenhang?
Erschütterung und Glück können oft kurz nacheinander auftreten, so wie es nach einem Gewitter manchmal plötzlich aufklart. Erschütternde Ereignisse haben eine reinigende Wirkung: Sie konfrontieren mit dem Wesentlichen und sensibilisieren gleichzeitig für das leicht zu Übersehende. Ich erinnere mich, wie die angstbesetzte Corona-Zeit meinen Blick für kleine Dinge schärfte, in denen sich Glücksmomente bergen. Das Einzige, was dem Glück entgegensteht, ist Gleichgültigkeit.
Immer wiederkehrende Motive Ihres Schreibens sind das Unterwegssein und die Flüchtigkeit von Orten. Hat sich Ihr Blick darauf im Laufe Ihres Lebens verändert?
Auf die Wahrnehmung von Flüchtigkeit wurde ich schon als kleines Kind konditioniert: durch ständige Umzüge und Abschiede. Diese Wahrnehmung hat sich nicht nur erhalten, sondern vertieft. Denn letzten Endes steht sie für die Vergänglichkeit jeder Existenz. Ohne dieses Grundgefühl wäre ich wohl nicht Dichterin geworden, das Elegische prägt mein Schreiben. Doch mit Pessimismus hat dies nichts zu tun. Im Gegenteil: Gerade das Bewusstsein der Flüchtigkeit lässt die Dinge kostbar erscheinen. So werde ich mit zunehmendem Alter immer dankbarer. Und bin froh, dass es neben dem Unterwegssein auch die Stabilität eines Hauses und einer Familie (die Enkelkinder!) gibt.
Sie sind in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden. Was stimmt Sie persönlich zuversichtlich?
Zunächst: Das Alter, sofern man körperlich einigermassen fit ist, macht freier. Ich habe falsche Hemmungen abgelegt, äussere mich zu allem offener und bin grosszügiger, was gut ankommt. Um die Zuversicht steht es weniger gut. Nie hätte ich gedacht, dass in Europa ein brutaler Krieg toben würde, dessen Ende nach viereinhalb Jahren nicht abzusehen ist. Ich bin ja studierte Slawistin, habe mich mit Russland, der Ukraine und anderen Ländern dieser Region eingehend beschäftigt und kenne dort viele Menschen. Es bricht mir das Herz. Auch Gaza und der Irankrieg, Sudan und andere Kriegsschauplätze bringen mich um den Schlaf. Hat die Menschheit aus der Vergangenheit nichts gelernt, greift sie immer von neuem zu Gewalt? Neuerdings mit hochentwickelten Drohnen, deren Technologie auch schwächeren Playern ungeahnte Möglichkeiten eröffnet und somit hybride Konflikte befördert. Das stimmt mich mehr als nachdenklich. Offen bleibt auch die Frage, wohin uns die KI noch führen wird. Kurzum: Die Zukunft macht mir Sorgen, täglich mehr. Was nicht im Widerspruch zu oben Gesagtem steht: dass ich persönlich dankbar für das Leben bin, das ich leben durfte und in der relativ sicheren Schweiz immer noch lebe. Meine Bücher sollen beides ausdrücken: Dankbarkeit und Sorge. Oder anders: Empathie und den Versuch, der Sprache der Gewalt eine Sprache der Differenzierung und Zärtlichkeit entgegenzusetzen.
Eröffnung der Europäischen Literaturtage
ZuversichtAutor:innen: Lena Papasabbas (Frankfurt) und Robert Menasse (Wien) im Gespräch mit Katja Gasser (Wien)
Deutsch (Simultan-Verdolmetschung Englisch)
Im Anschluss liest Robert Menasse
Auch als Livestream verfügbar.
Tickets € 16/14
Fantastische Zukünfte
Themen unserer ZeitAutor:innen: Aiki Mira (Hamburg)
Ursula Poznanski (Wien)
Moderation: Irene Zanol (Innsbruck) und Rebekka Zeinzinger (Wien)
Deutsch (Simultan-Verdolmetschung Englisch)
Eintritt frei. Auch als Livestream verfügbar.
Livestream am Tag der Veranstaltung
Hoffnung auf Veränderung
Themen unserer ZeitAutorinnen: Dorota Ambrožová (Olomouc)
Miriam Davoudvandi (Berlin)
Moderation: Irene Zanol (Innsbruck) und Rebekka Zeinzinger (Wien)
Deutsch ( Verdolmetschung Tschechisch / Simultan-Verdolmetschung Englisch)
Eintritt frei. Auch als Livestream verfügbar.
In Kooperation mit dem Tschechischen Zentrum Wien.
KremsMachtGeschichte
Spaziergang durch die Altstadt von Krems und Besuch der GozzoburgEin Spaziergang mit Gregor Kremser und Max Dietrich führt zu zeitgeschichtlichen Plätzen und endet mit der geführten Besichtigung durch die mittelalterliche Gozzoburg.
In Kooperation mit kremskultur.
Treffpunkt Steiner Tor/Südtiroler Platz, Krems.
Einheitspreis € 16 (limitierte Kapazität)
Ausverkauft
Der Beweis meiner Unschuld
Themen unserer ZeitAutor: Jonathan Coe (London)
Moderation: Rosie Goldsmith (London)
Englisch (Simultan-Verdolmetschung Deutsch)
Eintritt frei. Auch als Livestream verfügbar
Livestream am Tag der Veranstaltung
Worte und Töne I
Maja Haderlap, Eli Beneš, Stefko Hanushevsky, Wolfgang Puschnig & Samo WeidingerAutor:innen: Maja Haderlap (Klagenfurt) und Eli Beneš (Prag)
Musik: Wolfgang Puschnig & Samo Weidinger – Saxofon und
Klavier (Wien)
Lesung: Stefko Hanushevsky (Wien)
Moderation: Veronika Trubel (Wien)
Deutsch (Verdolmetschung Tschechisch / Simultan-Verdolmetschung Englisch)
In Kooperation mit dem Festival Glatt&Verkehrt und dem Tschechischen Zentrum Wien.
Tickets € 22 / 20
Good News und Krisenfest?
Themen unserer ZeitAutor:innen: Sigrid Stagl (Wien)
Florian Vitello (Bonn)
Moderation: Veronika Trubel (Wien)
Deutsch (Simultan-Verdolmetschung Englisch)
Eintritt frei. Auch als Livestream verfügbar.
Livestream am Tag der Veranstaltung
Hoffnung auf Kreativität
Themen unserer ZeitAutor:innen: Amber Massie-Blomfield (London)
Eva Meijer (Amsterdam)
Moderation: Rosie Goldsmith (London)
Englisch (Simultan-Verdolmetschung Deutsch)
Eintritt frei. Auch als Livestream verfügbar
Livestream am Tag der Veranstaltung
Spaziergang mit Albert Hosp, Hommage auf Inge Dick
BegegnungenSpaziergang mit Albert Hosp. Treffpunkt Klangraum Krems Minoritenkirche.
Einheitspreis € 20 (limitierte Kapazität)
In Kooperation mit der Landesgalerie Niederösterreich.
Ausverkauft
Im Paradies
Themen unserer ZeitAutorin: Dorota Masłowska (Warschau)
Moderation: Rosie Goldsmith (London)
Englisch (Simultan-Verdolmetschung Deutsch).
In Kooperation mit dem Polnischen Institut Wien.
Eintritt frei.
Worte und Töne II
Anthony Passeron, Magdalena Schrefel, Dörte Lyssewski und Sophie AbrahamAutor:innen: Magdalena Schrefel (Berlin) und Anthony Passeron (Nizza)
Lesung: Dörte Lyssewski (Wien)
Musik: Sophie Abraham (Pressbaum bei Wien)
Moderation: Judith Hoffmann (Wien)
Deutsch (Simultan-Verdolmetschung Englisch)
In Kooperation mit dem Festival Glatt&Verkehrt und dem Institut français d'Autriche.
Tickets € 22/20
Matinee zu Ehren von Dacia Maraini
Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und HandelnGespräch mit Dacia Maraini (Rom)
Laudatio: Maike Albath (Berlin)
Moderation: Katja Gasser (Wien)
Musik: Otto Lechner (Gars am Kamp)
Deutsch und Italienisch (Simultan-Verdolmetschung Englisch)
Verleihung des Ehrenpreises des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln an Dacia Maraini durch den Präsidenten des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels Benedikt Föger.
Tickets € 16 / 14